Verlegung von zwei Stolpersteinen in Hausen i. Wiesental für
Frieda Blum und Karl Bender
05. Oktober 2026
(15:30 Uhr, Hebelstrasse 25 und 27, 79688 Hausen i. Wiesental)
Biografie und Schicksal
BIOGRAFIE
Frieda Blum
Frieda Blum wurde am 05. März 1899 in Hausen im Wiesental, Hebelstraße 27, geboren. Als Kind erlitt sie eine Hirnhautentzündung, in deren Folge Hirnschäden auftraten und damit verbunden eine geistige Behinderung zurückblieb. Ihre Mutter verstarb 1905 an Lungentuberkulose. Frieda wuchs mit ihren vier Geschwistern im Elternhaus beim Vater, Friedrich Blum, und seiner zweiten Ehefrau auf. Mitte der Zwanziger Jahre brachte der Vater Frieda nach Herten in die St. Josephs-, Privat-, Heil- und Pflegeanstalt. Wie aus Briefen hervorgeht, wurde sie dort liebevoll betreut.
Im Jahr 1934 musste der Vater Frieda aus der Pflegeanstalt zurückholen, da er das Pflegegeld nicht mehr aufbringen konnte. Aufträge für seine Schreinerei blieben aus und man forderte ihn auch auf, vom Amt des Ratsschreibers der Gemeinde Hausen, das er seit 1911 innehatte, zurückzutreten. Grund war vermutlich seine Weigerung, in die NSDAP einzutreten.
Im Jahre 1939 erhielt ihr Vater Friedrich Blum die Aufforderung, seine Tochter Frieda wieder in das Heim nach Herten zu bringen. Dies geschah am 08. Mai 1939.
Am 17. September 1940 erhielt Friedrich Blum die übliche Rechnung für die Verpflegungskosten mit dem Vermerk „Friede geht es noch gut“ („noch“ mit Bleistift unterstrichen).
SCHICKSAL UNTER DER NATIONALSOZIALIS-TISCHEN HERRSCHAFT
Frieda Blum
Am 26. September 1940 wurde Frieda zu-sammen mit anderen betreuten Bewohnern der St. Joseph-Pflegeanstalt in Herten mit einem grauen Bus (T4-Aktion) nach Grafen-eck verlegt.
Am 05. Oktober 1940 erhielt der Vater Friedrich Blum eine Mitteilung von der Landespflegeanstalt Grafeneck, dass Frieda aufgrund ministerieller Anordnung vorüber-gehend dort eingewiesen wurde, doch in den nächsten Tagen in eine andere Anstalt verlegt werden müsste.
Am20. Oktober 1940 erhielt der Vater die Nachricht datiert mit 17. Oktober 1940 von der Pflegeanstalt Sonnenstein aus dem säch-sischen Pirna bei Dresden, dass Frieda Blum dort am 16. Oktober unerwartet an den Folgen einer Stirnhöhlenvereiterung mit hinzu-tretender Hirnhautentzündung verstorben sei, unterzeichnet von Dr. Friede.
Die Recherche von Herrn Günter Krapp förderte zu Tage, dass Frieda Blum nie in der Pflegeanstalt Sonnenstein bei Pirna nahe Dresden angekommen ist. Sie wurde unmittelbar nach Ankunft in der Landespflegeanstalt Grafeneck am 26. Sep-tember 1940 ermordet. Dieses menschen-verachtende Vergehen an Frieda Blum wurde von der Gedenkstätte Grafeneck bestätigt.
ORT DER VERLEGUNG
Hebelstraße 27
79688 Hausen im Wiesental
BIOGRAFIE
Karl Bender
Karl Bender wurde am 8. September 1902 als erstes Kind von Ludwig und Emma Bender in Hausen im Wiesental geboren. Er hatte zwei Geschwister, Emma und Gustav. Die ganze Familie gehörte zur Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Alle drei Kinder waren missionarisch tätig.
Karl Bender wuchs in Hausen im Wiesental auf. Über seine schulische und weitere Ausbildung ist nichts bekannt. Am 15. März 1930 hat er sich nach Magdeburg abgemeldet, dem Sitz der „Internationalen Bibelforscher-Vereinigung Deutscher Zweig“.
Vom 13.6.1934 an befanden sich Karl, sein Bruder Gustav und dessen Frau Betty in Sofia, Bulgarien, wohl missionarisch tätig, bis sie am 30.07.1934 ausgewiesen wurden (Bericht von Betty Bender).
SCHICKSAL UNTER DER NATIONALSOZIALIS-TISCHEN HERRSCHAFT
Karl Bender
Karl Bender war in den Jahren 1938/1939 als Emigrant auf einer Farm der „Watch Tower Bible and Trust Society“ in Bern in der Schweiz tätig. In deren Auftrag reiste er in die Tschechoslowakei und Polen. Dort fiel er der Gestapo in die Hände und kam in das Konzentrationslager Auschwitz. Seine Eltern erhielten von dort im August 1940 brieflichen Bescheid. Später bekamen sie die Nachricht, dass ihr Sohn am 22.01.1941 an TBC verstorben sei.
Diese Informationen sind Aufzeichnungen und Berichte Dritter (Frau Betty Bender, Julius und Rosa Riffel)
Anhand der Datenbank Yad Vashem ist ersichtlich, dass Karl Bender am 29.04.1941 in Auschwitz ermordet wurde.
ORT DER VERLEGUNG
Hebelstraße 25,
79688 Hausen im Wiesental